„Flexibilität ist nicht länger ein Privileg der Arbeitgeber“

Der KoKreis der Emanzipatorischen Linken zum Tarifabschluss der IG Metall
Mehr Lohn oder mehr Freizeit? Die IG Metall Baden-Württemberg hat in der diesjährigen Tarifauseinandersetzung im Metallbereich beides durchgesetzt. 
Beschäftigte in Schichtarbeit und Beschäftigte, die pflegebedürftige Angehörige zu Hause pflegen oder Kinder erziehen, können sich künftig entscheiden, ob sie sich ein so genanntes tarifliches Zusatzgeld von 27,5 Prozent eines Monatsgehaltes ab Januar 2019  auszahlen lassen oder zusätzliche acht freie Tage pro Jahr nehmen wollen. 
Ab 2019 erhalten Beschäftigte den Anspruch, ihre Arbeitszeit befristet auf bis zu 28 Stunden pro Woche für bis zu 24 Monate zu verkürzen. 
Der Tarifabschluss der Beschäftigten in der Baden Württembergischen Metall- und Elektroindustrie ist ein Einstieg in ein modernes Arbeitszeitmodell, dadurch können die Beschäftigten über ihre Zeit künftig stärker selbst bestimmen. Alle Beschäftigten haben künftig einen Rechtsanspruch auf eine zeitweise Arbeitszeitreduzierung mit Rückkehrrecht. Zum Ausgleich wird den Unternehmen die Möglichkeit gegeben, die eigentlich in der Metall- und Elektroindustrie gültige 35-Stunden-Woche wesentlich stärker als bisher auszuhöhlen. Die lange Laufzeit des Tarifvertrages von 27 Monaten ist etwas, über das sich einzig die Arbeitgeber freuen dürften.
Vor dem Hintergrund der gesamtgesellschaftlichen Situation und des gesunkenen Einflusses der Gewerkschaften insgesamt ist das Ergebnis mehr als erfreulich.
Unter dem Strich bleibt, dass die Beschäftigten zufrieden mit dem Erreichten sein können und auch sind. Denn zum einen ist der Einstieg in eine stärker an den Interessen der Beschäftigten orientierten Arbeitszeit gelungen, zum anderen haben die dem Abschluss vorausgegangen Streiks der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie  das Thema Arbeitszeitverkürzung über die Tarifauseinandersetzung hinaus zum Teil einer öffentlichen Debatte gemacht. 
Wichtig ist auch die Entstehungsgeschichte der von der IG Metall verhandelten Tarifforderung: Unter dem Motto „Mein Leben – Meine Zeit“ hatte die IG Metall 2017 in einer Umfrage unter den Beschäftigten deren Arbeitszeitpräferenzen ermittelt und daraus dann die Tarifforderung abgeleitet: Mehr Flexibilität und mehr Selbstbestimmung für die Arbeitnehmer. Diese neue Art der Entwicklung von Tarifforderungen bei der IG Metall ist zu begrüßen, bezieht sie doch die einzelnen Mitarbeiter*innen stärker als zuvor in die Positionsbestimmung ein.
Beides ist positiv für die gesamte Gesellschaft und weist auch neue Wege in den zukünftigen Tarifauseinandersetzungen. 

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