50 Jahre Stonewall – Wir sind noch lange nicht am Ziel!

2019 jähren sich die Stonewall Riots, die als Meilenstein im Kampf der LGBTIQ*-Bewegung gelten, zum 50. Mal. Ein wichtiges Jahr für die Community, das uns hinterfragen lässt, was erreicht wurde und was noch getan werden muss.
Vor 50 Jahren – in der Nacht vom 27. Auf den 28. Juni 1969 – haben beim Stonewall-Aufstand Lesben, Schwule und Transmenschen, vorwiegend keine Weißen, in New York historischen Widerstand gegen homophobe Polizeigewalt geleistet. Die Polizei, die nicht mit Gegenwehr gerechnet hatte, musste Verstärkung anfordern, um den Aufruhr aufzulösen.
Die mehrtägige radikale Gegenwehr von Lesben, Schwulen und Transgender in der Christopher Street war der Ausdruck lange aufgestauter Wut gegen gesellschaftliche Repressionen und polizeiliche Willkür. Gleichzeitig war sie aber auch Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins und der Beginn einer radikaleren, offenen, queeren Befreiungsbewegung. Das Stonewall Inn und die Christopher Street wurden so zum Symbol Queerer Emanzipation.
Vor 50 Jahren – Am 25. Juni 1969 – wurde in der Bundesrepublik Deutschland der von den Nationalsozialisten verschärfte § 175 reformiert. Die Strafbarkeit homosexueller Kontakte zwischen erwachsenen Männern wurde abgeschafft. Es bestand jedoch weiterhin eine unterschiedliche Schutzaltersgrenze. Sie lag bei homosexuellen Kontakten bei 21 Jahren, während sie bei heterosexuellen Kontakten bei 14 Jahren lag. Endgültig wurde der § 175 in der Bundesrepublik erst im Jahr 1994 Abgeschafft.
50 Jahre nach Stonewall ist viel erreicht worden. Im Jahr 2019 haben wir die Ehe für alle, schwule und lesbische Paare können Kinder adoptieren. Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Allerdings gibt es auch noch viel Schatten, nach wie vor werden Menschen wegen ihrer geschlechtlichen oder sexuellen Identität bzw. Orientierung diskriminiert .
50 Jahre nach Stonewall sind wir noch lange nicht am Ziel. Das Abstammungsrecht diskriminiert nach wie vor Regenbogenfamilien, das Transsexuellengesetzes (TSG) muss dringend reformiert werden, unnötige, ungewollte medizinische Eingriffe an intergeschlechtlichen Kindern müssen verboten werden, eine Änderung der gängigen Entscheidungspraxis im Asylverfahren von queeren* Personen ist notwendig, Medizin und Pflege müssen sich queeren Bedürfnissen öffnen. Das sind nur einige Beispiele.
50 Jahre nach Stonewall gibt es immer noch Gewalttaten gegen homosexuelle und trans* Menschen. Schwule und Bi-Männer dürfen nur nach einem Jahr sexueller Enthaltsamkeit Blut spenden. Noch immer sind in Deutschland Konversionstherapien erlaubt, mit denen Homosexuelle Menschen„geheilt“ werden sollen. Neben männlich und weiblich gibt es für inter Menschen im deutschen Geburtenregister endlich die Option divers, aber dafür ist ein ärztliches Attest nötig.
Die Ereignisse von Stonewall fordern uns auf, im Heute für eine Politik, die die freie Selbstbestimmung von geschlechtlicher und sexueller Identität bzw. Orientierung respektiert und fördert, zu kämpfen! Deshalb versteht die Emanzipatorische Linke den CSD nicht nur als eine große Party, sondern auch als Bollwerk gegen politische Versuche von rechts, die Errungenschaften von Lesben, Schwulen, bi-, trans-, intergeschlechtlichen Menschen zurückzudrehen.
50 Jahre nach Stonewall ist vieles für queere Menschen erreicht worden, aber noch längst nicht alles.

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