Fordert nicht Arbeit und Brot, sondern Freizeit und Kuchen!

Die Nummer 4 der Schriftenreihe der Emanzipatorischen Linken ist da. Sie Trägt den Programmatischen Titel „Fordert nicht Arbeit und Brot, sondern Freizeit und Kuchen!“ Was der KoKreis der Ema.Li als Herausgeber*inn der Schriftenreihe sich mit diesem Titel gedacht hat, hat er in seinem Vorwort, das eben diesen Titel trägt, erläutert:
    
Faulheit gilt in den westlichen Industrienationen als Todsünde. Wer nicht täglich flott und adrett zur Arbeit fährt, wer unbezahlte Überstunden verweigert, lieber nachdenkt als malocht oder es gar wagt, mitten in der Woche auch mal bis mittags nichtstuend herumzuliegen, läuft Gefahr, des Schmarotzertums und parasitären Lebens bezichtigt zu werden. Wenn sich werktätige Menschen einen sozialen Stellenwert beimessen, dann geschieht das meist über das Ergebnis ihrer Tätigkeit. 
 
“Roboter nehmen uns die Arbeit ab: 47% in den nächsten 25 Jahren“, sagt eine Studie der Oxford-Universität. Es könnte ein Grund zur Freude sein: Endlich Zeit den Klimawandel zu stoppen, die Eltern zu pflegen und Kunst zu schaffen. 
Aber nein, in unserer Industriekultur wird eine solche Zukunft als Bedrohung gesehen. Immer noch gilt: Menschen können nur in Würde leben, wenn sie eine Vollzeitstelle  haben. Deshalb streben wir als Gesellschaft auch nicht nach mehr freier Zeit und weniger Arbeit, sondern nach Vollbeschäftigung. 
 
Die, die einen Job haben, richten ihre Kritik nicht gegen die Verhältnisse, in denen die Arbeit so organisiert ist. Ihre eigene schlechte Situation empfinden viele als ungerecht gegenüber denen, die keine Arbeit haben. Arbeitslose seien faul, leisten keinen Beitrag zur Gesellschaft und machen sich auf Kosten derer, die arbeiten, ein schönes Leben. Der Versuch, „Gerechtigkeit” herzustellen, führt dann seitens der Arbeitenden eben nicht zu einer positiven Aufhebung der gefühlten, selbst erlebten Ungerechtigkeit und misslichen Lage, sondern „den Anderen” (den „schmarotzenden Arbeitslosen”) soll es wenigstens genauso schlecht gehen wie einem selbst. Der gesellschaftliche Hass auf Arbeitslose, die ihren Beitrag zum Gemeinschaftswohlstand angeblich nicht leisten, ist nur denkbar in einer Gesellschaft, in der Arbeit zentrales kollektives und individuelles Identitätsmerkmal ist. Alles kreist um die Arbeit. Wenn ein Mensch einen anderen kennenlernt, ist die Frage nach dem Beruf fast genauso selbstverständlich wie die Frage nach Alter oder Name. 
 
Ein absurder Arbeitsfetisch. Absurd, weil er den Sinn der Beschäftigung nicht hinterfragt. Weil in ihm der Glaube verwurzelt ist, dass wir die Arbeit mehr brauchen, als sie uns.
Eine sympathische Idee für die Überwindung des Gesellschaftlichen Arbeitsfetisch ist die des bedingungslosen Grundeinkommens von diversen linken Zusammenschlüssen. Es geht von der Idee aus, dass alle Menschen eine grundlegende Lebensberechtigung haben. Diese Lebensberechtigung ist nicht nur ein Recht zum Über- sondern zum richtigen Leben, also mit voller Teilhabe an der Gesellschaft. Darüber hinaus würde das bedingungslose Grundeinkommen nicht nur die Situation  der prekarisierten (Lohn-)Arbeitslosen verbessern, sondern auch das Empowerment von lohnabhängig Beschäftigten – die plötzlich nicht mehr im Angesicht des drohenden Arbeitsplatzverlustes und damit einhergehender Verarmung jede Zumutung ihrer Arbeitgeber*innen akzeptieren müssten.
 
Wirkt ein BGE wirklich dem Gesellschaftliche Arbeitsfetisch entgegen? Wir wissen es nicht. Was wir jedoch wissen ist, das ein BGE nichts daran ändern würde, dass wir immer noch in einer kapitalistischen Welt mit Umweltzerstörung, Wachstumszwang, Rassismus, Patriarchat, Krieg und eben auch ausbeuterischer Lohnarbeit leben. 
Allerdings könnte es dazu beitragen, den Umgang mit der ausbeuterischen Lohnarbeitzu verändern.

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.